Teil 2 Einsichten zur Praxis von Laien [Ep. 9]

Der Zen-Buddhismus zeigt direkt auf den menschlichen Geist und zielt auf das plötzliche Erwachen zur Buddhaschaft ab. Seine schlagfertigen Dialoge bereiten jenen, die gerne philosophieren, beim Lernen ein ungemein befreiendes Erlebnis. Sie vermitteln ein Gefühl von unerwarteten Wendungen, dem plötzlichen Abfallen von Scheuklappen und dem Erwachen zu neuem Leben. Zu sehen, wie die Zen-Patriarchen der Vergangenheit Buddhas schalten und Patriarchen schmähten, frei über Leerheit und Existenz sprachen, die Gebote rein im eigenen Herzen hielten und dabei keine Spuren hinterließen – all das brachte jemanden wie mich, der die Freiheit liebt und sich nicht an Kleinigkeiten aufhängt, schlichtweg zum Jubeln. Ich entschied mich sofort, die Methode des Zen zu erlernen.

Doch ich ahnte nicht, dass man erst dann, wenn man diesen Weg wirklich betritt, erkennt, dass die Praxis des Zen überall äußerste Vorsicht und Achtsamkeit erfordert. Ist man auch nur ein klein wenig unaufmerksam, fällt man entweder in eine einseitige Leerheit oder man verstrickt sich in der Existenz. Ohne Zen-Meister Shenxius Ansatz „Wische es allzeit eifrig ab, lass keinen Staub sich sammeln“ ist es sehr schwer, den Zustand des Sechsten Patriarchen „Ursprünglich gibt es nicht ein einziges Ding, wo sollte sich da Staub sammeln?“ in seiner Gänze zu erfassen. Deshalb muss plötzliches Erwachen unbedingt mit allmählicher Kultivierung einhergehen. Man muss unbedingt über echte praktische Fähigkeiten in der Zen-Meditation verfügen. Dass die Zen-Patriarchen der Vergangenheit nicht über geistige Zustände und Fähigkeiten sprachen, bedeutet keineswegs, dass sie keine solchen Zustände und Fähigkeiten besaßen. Viele der Hua-tous und Gong-ans sprechen an der Oberfläche über Sichtweisen, doch in Wahrheit geht es dabei durchgehend um geistige Ebenen und praktische Fähigkeiten aus dem Samadhi. Ohne echte Verwirklichungskraft werden deine Antworten in den schlagfertigen Dialogen garantiert nicht ins Schwarze treffen.

Der Zen-Buddhismus setzt direkt am eigentlichen Wesen an. Man könnte sagen, er führt geradewegs in die Höhle des Löwen. Die Kultivierung und Verwirklichung auf diesem Weg ist voller intensiver Höhepunkte. Menschen mit enormer Entschlossenheit und großem spirituellen Potenzial sollten den Zen-Buddhismus wählen. (Das sage ich hier nur, um ein bisschen Werbung für den Zen zu machen.)

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